Achtsames Gehen im Regen

Das Regenwetter der letzten Tage hat unsere Spazierwege, die wir uns mit Pferden und Traktoren teilen, in wahre Schlammgruben verwandelt. Mit tief in die Stirn gezogener Kapuze zog ich mit Molly im Regen los. Forschen Schrittes, da ich schon beim Losgehen wieder an die warme und trockene Wohnung dachte... Und Schwupps rutschte ich im Matsch aus und konnte mich gerade noch so fangen. Also hielt ich erst einmal Inne. Da kamen mir drei Gedanken:

  1. Ein Ausspruch von Karl Valentin:

    „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.“

    Darüber musste ich dann erst einmal lächeln.

  2. Das Kapitel „Durch den Matsch stiefeln“ von Annabel Streets aus Auf die Füße,fertig,los!. In diesem Kapitel berichtet sie von verschiedenen Forschungsergebnissen die belegen, daß Bodenmikroben eine positive Auswirkung auf den Organismus haben. Die Produktion des Antistresshormons Seretonin wird angeregt, Angstgefühle können sich reduzieren und die Konzentration kann sich verbessern. - Also warum nutze ich diese positiven Effekte nicht? Als erstes mal tief den Duft der Erde einatmen! Das führte mich zu:

  3. Achtsames Gehen! Dabei spüren Sie bewußt, wie Sie den Fuß anheben, das Gewicht verlagern, den Fuß nach vorne schieben und wieder mit dem Boden in Kontakt kommen. Nach einer Weile können Sie dann die Achtsamkeit auf alle Körperempfindungen richten: den Atem, den Fluss der Bewegungen, den Rhythmus der Schritte. Während Sie achtsam gehen nehmen Sie mit allen Sinnen wahr was um Sie herum geschieht. Ich habe die Regentropfen auf der Kapuze gespürt und gehört. Ich habe (da ich Barfußschuhe trage) den weichen Boden und auch die kleinen Steine oder Grasbüschel unter den Sohlen gespürt. Ich habe den Wind im Gesicht gespürt und die Erde gerochen. Meine Schritte haben sich automatisch verlangsamt.

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Was glauben Sie, wie habe ich mich danach gefühlt? Wollte ich immer noch schnell nach Hause? Fand ich den Spaziergang als lästige Pflicht?

Ich habe mich leicht gefühlt und zufrieden. In dem Bewusstsein, mir etwas Gutes getan zu haben. Mir hat es nicht nur wieder vor Augen geführt, wie bereichernd Achtsamkeit ist, sondern auch wie sehr eine Situation von unserer Bewertung abhängt. Es war immer noch regnerisch, nass und kalt – trotzdem war ich rundum zufrieden! Und ja, ich freue mich auf den nächsten Regenspaziergang!

Wie wäre es, wenn Sie den nächsten Regen positiv entgegen sehen und vielleicht auch mal das achtsame Gehen üben – da geht narürlich auch bei Sonnenschein :).